Das Damaskus-Zimmer

im Museum für Völkerkunde Dresden - Staatliche Ethnographische Sammlungen Sachsen

Damaskus Historie


Im 19. Jahrhundert faszinierte der Orient die europäische Gesellschaft, erste Orientreisende brachten Berichte aus dieser exotisch wirkenden Ferne auch nach Deutschland und schon bald entstand eine "orientalische" Mode. In dieser Zeit bereiste auch der Sammler und Kunstmäzen Karl Ernst Osthaus den Orient auf der Suche nach Gegenständen des Kunsthandwerks für seine eigene Orientalika-Sammlung, zu der auch ein "typisch orientalisches Zimmer" gehören sollte. Er selbst fand jedoch bis zum Ende seiner Reise kein geeignetes Zimmer, so wurde der deutsche Fotograf Hermann Burchardt, der seit 1893 in Damaskus lebte, mit der weiteren Suche beauftragt. Burchardt fand schließlich ein Zimmer nach den Vorstellungen Osthaus', das nach dem Kauf 1899 nach Deutschland verschickt wurde.

In der Zwischenzeit hatte jedoch Osthaus seinen Sammlungsschwerpunkt auf Zeitgenössische Malerei und Architektur verlegt, und als das Zimmer endlich eintraf, wurde es nicht aufgebaut, sondern eingelagert und geriet in Vergessenheit. Nach dem Tode Osthaus' 1921 entdeckte man die Vertäfelung erneut. Einem seiner Erben, dem gebürtigen Dresdner Kunsthistoriker Fritsche, ist es zu verdanken, dass das Damaskus-Zimmer als Schenkung an das Museum für Völkerkunde Dresden kam. Aber auch hier kam es nicht zum Aufbau, erneut wurde es im Depot verwahrt.

Im Frühjahr 1997 wurden die Einzelteile des Damaskus-Zimmers erstmals seit ihrer Ankunft in Europa wieder ausgepackt und werden seitdem in einer eigens dafür eingerichteten Schauwerkstatt restauriert. Dies war nicht zuletzt für die Fachwelt eine kleine Sensation, ist es doch eines der wenigen erhaltenen Beispiele orientalischer Zimmer, die in Museen zu sehen sind. Aber auch im Orient sind derartige Vertäfelungen nicht mehr oft zu finden. Häufig wurden sie übermalt, verändert oder ganz durch andere Dekorationen ersetzt. Umso höher ist der Wert des Dresdner Damaskuszimmers, das fast vollständig und in seiner Originalfassung erhalten ist, anzusetzen.

 

Damaskus Die Inschriften

 

Das enorme Prestige der arabischen Schrift macht Inschriften zu einem zentralen Gestaltungselement im arabisch-islamischen Kulturkreis. Im Dresdner Damaskus-Zimmer finden sich an prominenter Stelle im Raum umlaufend 10 Inschriftentafeln, welche die Anfangsverse eines bis heute ungebrochen populären Gedichts mit dem Namen "al-qasida al munfariga" enthalten. Dieses Gedicht, möglicherweise dem berühmten Mystiker des 12. Jahrhunderts al-gazali zugeschrieben, enthält ein Gebet um Erlösung von Sorgen und Nöten.

Jede Schriftkartusche ist durch Blattranken in zwei nebeneinander stehenden Hälften geteilt. Die Buchstaben wurden mit schwarzer Farbe vorgeschrieben, mit dickflüssiger Gips-Leim-Mischung in der ajami-Technik reliefartig nachgezogen und anschließend vergoldet. Der Hintergrund ist mit einer besonderen Farbe bemalt, die gemahlenes blaues Glas enthält und - mit Leim gebunden - ein tief leuchtendes Blau erzeugte. Die Schrift steht golden vor blauem Hintergrund mit feinen, weißen Rankenmalereien.

In den schmalen Kartuschen stehen bis zu drei Schriftebenen übereinander, so dass die Schrift insgesamt gedrängt wirkt und die Leserlichkeit beeinträchtigt wird. Dies wird in der arabischen Schriftkunst jedoch nicht als Mangel aufgefasst, sondern trägt im Gegenteil zum künstlerischen Wert der Inschrift bei. Zum Schmuck des Damaskus-Zimmers wurde eine Gedicht gewählt, das zwar als Werk eines berühmten islamischen Theologen bekannt war, jedoch keine spezifischen islamischen Glaubensinhalte formuliert: Der islamische Prophet wird weder genannt noch angerufen. Es finden sich keine Sätze oder Zitate, die andere Religionen oder ihre Angehörigen kritisieren oder herabsetzen. Ferner fehlt die islamische basmala, die sonst jedem islamischen Dokument voransteht. So konnte die Inschrift keinen Gast, der das Zimmer betrat, befremden.

Die Inschriften wurden von der Orientalistin Dr. Claudia Ott übersetzt und publiziert.

Abbildungen der Inschriftentafeln...

Übersetzung der Inschriften...

Publikation...

Deutsches Konsulat in Damaskus

Empfangsraum im Deutschen Konsulat
in Damaskus um1900 (1)

Empfangszimmer in Damaskus

Empfangszimmer eines Aleppiner Hauses (2)

Empfangszimmer in Damaskus

Eine Inschriftentafel des Damaskuszimmers